27.11.2025
Der britische Haushalt: Gedämpfte Signale in einem entscheidenden Moment für das Baugewerbe
Der Finanzminister versprach einen Haushalt, der „den Spaten in die Erde und die Kräne in den Himmel bringen“ solle. Doch für die Baubranche warfen die Ankündigungen mehr Fragen als Zuversicht auf.
Trotz monatelanger Spekulationen reichten die Maßnahmen nicht aus, um echte Investitionen in die gebaute Umwelt anzustoßen. Das Wirtschaftswachstum bleibt schwach. Die Inflation ist weiterhin hoch. Die Staatsverschuldung steigt. Und die Marktreaktion? Unverändert. Die Renditen britischer Staatsanleihen bewegten sich kaum – ein klares Zeichen dafür, dass die Anleger nicht überzeugt waren.
Keine neuen Hürden, aber auch keine gewagten Schritte.
Da die Erhöhung des Mindestlohns die Kostenbelastung durch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung erhöht und Änderungen der Rentenbestimmungen bevorstehen, hat der Haushalt wenig zur Verbesserung der Bedingungen für Unternehmen beigetragen.
Die Ausbildungsabgabe gilt weiterhin für große Arbeitgeber und verpasst damit die Chance, dem Fachkräftemangel im Baugewerbe entgegenzuwirken. Eingefrorene Steuerfreibeträge bedeuten, dass die Steuerbelastung in Großbritannien auf ein Rekordhoch zusteuert. Dies könnte Folgewirkungen für die Mobilität der Arbeitskräfte, die Verbrauchernachfrage und das Vertrauen der Unternehmen haben.
In wichtigen Sektoren waren die Signale uneinheitlich. Die Regierung hatte zuvor ihr Bekenntnis zum neuen Krankenhausprogramm bekräftigt und gleichzeitig 250 neue Gesundheitszentren angekündigt. Diese Ankündigung ist zwar begrüßenswert, doch die Details bleiben vage. Wie hoch sind die tatsächlichen neuen Mittel?
Private Finanzierung könnte bei der Realisierung dieser Infrastrukturprojekte eine entscheidende Rolle spielen. Die kürzliche Gründung der Nationalen Behörde für Infrastruktur- und Dienstleistungstransformation (NISTA) sowie die Erwähnung neuer PPP-Modelle in der Zehnjahres-Infrastrukturstrategie deuten darauf hin, dass dies der eingeschlagene Weg sein könnte. Doch ohne Klarheit hinsichtlich Struktur, Risiko und Rendite wird privates Kapital weiterhin unentschlossen bleiben.
Große Ambitionen, wenige Details
Es wurden einige Fortschritte erzielt. Die Kernenergie erhielt zusätzliche Mittel, und die Überprüfung der Kernenergieregulierung 2025 könnte dazu beitragen, die Umsetzung zu beschleunigen und die Kosten zu senken – vorausgesetzt, sie bietet die notwendige Transparenz und Agilität.
Andere strategische Bereiche wurden jedoch vernachlässigt. Der Haushalt enthielt kaum Angaben zur digitalen Infrastruktur, trotz der rasant steigenden Nachfrage nach Rechenzentren und des zunehmenden globalen Wettbewerbs um Investitionen. Keine Anreize, keine Steuererleichterungen, kein klarer Plan.
Der Wohnungsmarkt steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Planungsreformen könnten langfristig helfen, doch Inflation und hohe Zinsen erschweren die Rentabilität nach wie vor. Innovative Modelle wie das Mietwohnungsbauprojekt gewinnen an Bedeutung. Und mit kreativem Denken bieten sich weiterhin Marktchancen. Ein breiteres Wachstum wird jedoch von verbesserten Kreditbedingungen abhängen.
Blick in die Zukunft: Gründe für vorsichtigen Optimismus
Wenn die Inflation nachlässt und die Zinsen entsprechend sinken, könnten sich die Bedingungen verbessern. Investitionen in Verkehr, Energie und soziale Infrastruktur sollten ebenfalls von der Planungsphase in die Umsetzung übergehen. Da die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP jedoch nahe Rekordniveau liegt, bleibt der gesamtwirtschaftliche Ausblick volatil.
Ein plötzlicher Aktivitätsanstieg könnte den Markt jedoch überlasten. Jahrelange Unterinvestitionen in Qualifizierung und Weiterbildung haben zu geringen Kapazitäten geführt. Engpässe und Inflationsdruck könnten die Planungs- und Kostensicherheit gefährden.
Allerdings können Organisationen mit der richtigen Strategie ihre Bauvorhaben dennoch vorantreiben.
Strenge Kostenkontrolle. Intelligente Beschaffung. Transparentes Risikomanagement. So baut man mit Zuversicht.
Der Haushalt brachte nicht den erhofften Impuls für die Branche. Doch mit Klarheit, Zusammenarbeit und wirtschaftlicher Disziplin kann das Baugewerbe die nächste Wachstumsphase Großbritanniens weiterhin anführen.